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31.01. - 15.03.2009
Beate Nowak
Malerei, Zeichnung, Collage

 

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BEIM ANBLICK DER ZEICHNUNGEN
VON BEATE NOWAK


Eine alte Weisheit sagt:
„Vor dem Baum, der einen Schatten spendet, soll man sich verneigen!" Was sollen wir halten von solcher Weisheit in unseren Tagen?
Gilt für den Künstler unserer Zeit immer noch die Forderung Paul Klees aus den Zwanziger Jahren (Zitat): „Dos Studium der Natur ist für den Künstler conditio sine quo non!" -
also unerläßlich?
Beate Nowak hat sich sehend und zeichnend auf den Weg gemacht, nimmt es ernst das Studium der Natur. Sie öffnet ihr Fenster und verneigt sich vor dem großen Baum, sie spürt mit dem Stift seinem Wesen nach, erlebt das Aufstrebende, hört das Rascheln der Blätter im Wind, sieht Licht, das durch die dichte Belaubung dringt. Mächtig, das ganze Blatt füllend, ist er eingespannt in das Geviert, hat Würde, hat Kraft und steht in seiner Vereinzelung als Zeichen für Leben: verehrungswürdig.
Die Zeichnerin trägt auf jedem ihrer Gänge ein kleines Paradies mit sich, einen Traum, auch ein Arkadien und läßt nicht ab, es auch zu finden. Dabei erfährt sie suchend Räume: Ein Waldinneres, gebildet aus aufragenden Stämmen, und wieder ist es das unfaßliche Licht, das sie fasziniert. Der stetige Wechsel, das irritierende Spiel der Schatten auf Blattwerk und Ast, die geahnten flimmernden Horizonte. Als Kind aufgewachsen zwischen Blumen, den Apfelbäumen im Garten, den Sträuchern am Wiesenrand mit den Tümpeln und Gräben, verbringt sie ihre Schulzeit auf der Schulfarm Insel Scharfenberg im Tegeler See, entdeckt dort ihre Liebe zur Zeichnung, findet früh Erlebtes, Verwandtes wieder und erarbeitet sich bildnerisch Mittel, durch die sie dem ewig Flüchtigen ein wenig Dauer verleihen kann. Sie sagt: „Ich brauche das Gegenüber. Ich will mir nichts ausdenken, ich muß versuchen, es ins Bild zu komponieren, so streng wie möglich!"
So erfindet Beate Nowak von Blatt zu Blatt immer wieder neu das „Alphabet“ neu, mit dem diese Verdichtung möglich wird: Hell gegen Dunkel, Grau gegen den Grund des Papiers, verteilt sie die Gewichte. Es ist ein Abwägen, Zug um Zug, bis die gespannte Atmosphäre, auch das Gestimmte, vor ihrem und auch vor unseren Augen steht. Ein Moor zeigt sich uns in seinem unheimlichen Schwarz, ein Graben im lichten Grau, die Stämme vollplastisch als Silhouetten gegen den Himmel. Und immer wieder die geschichteten Räume, die Verflechtungen, die Verlagerungen, die das Auge festhalten im Bild und uns denken lassen an ein „Arkadien"

Aber wenden wir uns anderen Blättern zu, der Kehrseite der Medaille: Schwarze Rauchwolken über Industriehallen- direkt hinter der Gartenidylle. Damals an der Mauer: Hüben ein Birkenwäld-hen, drüben ein im Niemandsland zu Schrott verkommenes Heizwerk. Demontage: Wellblech hängt herunter, umschließt ruinöse Räume, Glas ist zerbrochen, und bei der Suche nach dem einst umfriedeten Gärtchen muß die Zeichnerin feststellen, daß der Bulldozer ihr Motiv eingeebnet hat. Leere Flächen sind kein Motiv mehr: Beweggrund nur für Trauer. Sachlich, unpolemisch erfaßt das Auge der Zeichnerin auch diese, unleugbar was ist, was war. Beate Nowak gelingt es, in uns Stimmungen zu erzeugen, die den Blick frei machen, auch beglücken, andererseits macht sie uns nachdenklich durch Zeichnen und schafft, was mit Parolen nicht erreicht werden kann: Betroffenheit. So ist ihr Feld angelegt zwischen Arkadien und Heute.
Zum Trotz: Eine alte Weisheit sagt:„ Vor dem Baum, der einen Schatten spendet, soll man sich verneigen!"

Siegfried Kühl
Maler und Bildhauer

 

 

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