Kurt Kramer

Vogelgesänge – Ikarus bleibt oben

Der Dialog zwischen Form und Farbe ist über alle Stile und Epochen der bildenden Kunst hinweg die treibende Kraft der Malerei, schafft die eigentliche Aktualität, die den Betrachter in Bann schlägt, und erzeugt eine eigene Zeitlosigkeit. Die Linie, der Strich, das erzählende Element in ihr: als Kontur des Augenscheinlichen, als Niederschrift der Bewegung oder einfach als seismographischer Ausschlag und Reaktion auf emotionelles Erleben. In meinen Arbeiten halten sich diese drei Komponenten, Form, Farbe und Linie in Spannung. Sie wechseln ihre Anteile, widersprechen sich und suchen Gemeinsames, stellen Bewegung dar und schaffen Ruhepole; zuletzt sind sie ausgewogen.
Alles lässt sich darstellen- gegenständlich und abstrakt- aus dem Schauen festgehalten und dem Empfundenen, dem Gehörten.
Ich habe in den letzten Jahren zunehmend Elemente der Musik und ihrer Klangkörper als Bildanlässe umgesetzt: den Schwung von Streichinstrumenten im Korpus, und ihre Symbolik als ähnlichste Darsteller menschlicher Stimmen.
Sprache hat mir immer viel bedeutet; ihr Nebeneinander von Poesie und Härte, Genauigkeit und Irrealität war stets ein Anlass, Bilder und Texte gleichrangig zu verfassen – obwohl die bildende Kunst dabei die Oberhand behielt.
Zu den Themenkreisen meiner Arbeiten gehören Mythologien des Altertums ebenso, wie das gegenwärtige Ringen des Menschen um seine Identität, im Aufbruch in ein virtuelles Zeitalter.
Das uralte „Ikarus-Syndrom“ und meine „Vogelbilder“ sind Teil meiner derzeitigen künstlerischen Arbeit; das programmatische gemeinsame Motto heißt „Verweigerung des Absturzes“."

Kurt Kramer, Jänner 2008

Kurt Kramer verstarb für alle unerwartet im April 2008 in Wien. Ein großes, vitales Werk bleibt.

 

 

   
     
 

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