Erwin Hahs

geboren am 27.7.1887 in Berlin, gest. am 31.3.1970 in Zernsdorf, der nach seinen Lehrjahren als Dekorationsmaler bei Hans Seliger und César Klein in Berlin am Königlichen Kunstgewerbemuseum in der Malklasse von Emil Rudolf Weiß von 1908 – 1914 die Grundlagen seines künstlerischen Schaffens erwarb und mit den Künstlern und der Kunst des Expressionismus bekannt wurde, durch Georg Kolbe Kontakt zu Walter Gropius bekommt und gemeinsam mit Kolbe einen Auftrag zur Gestaltung des deutschen Pavillons der Werkbundausstellung in Köln erhielt, sich wie viele seiner Generation freiwillig an die Front meldet und nach seiner Rückkehr als Kriegsgegner und Pazifist durch Vermittlung von Bruno Paul (Leiter der Kunstgewerbeschule) durch Paul Thiersch an die Burg Giebichenstein zum Aufbau einer Malklasse berufen wird.

 
 

Orientiert an den Fragen der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts, den Weg zu stilistischer Formeinheit in der Einheit der Künste in Abhängigkeit von Architektur und Handwerk zu suchen, ähnlich wie Walter Gropius mit dem Bauhaus in Weimar, sollte Erwin Hahs die künstlerische Praxis an der Burg und in Halle nachhaltig prägen und eine Kunstszene initiieren, die bis heute nachwirkt.

Seit 1919 in der „Novembergruppe“ und im „Arbeitsrat für Kunst“ engagiert, beteiligt an Ausstellungen in Berlin, Studienaufenthalt in Wien 1920 und weitere Studienreisen in Europa und nach Nordafrika, vertiefen die künstlerische Arbeit und die Auseinandersetzung mit dem Expressionismus und der Abstraktion.1922 wird E. Hahs zum „Professor“ ernannt als Leiter der Malklasse an der Burg.

Die politischen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik mündeten in der menschenverachtenden Ideologie und Gewalt des Nationalsozialismus, die Maler wie Erwin Hahs zum „Bolschewisten von Giebichenstein“ stempelten und seine Werke zur „entarteten“ Kunst zählten. 1933 verlor er sein Lehramt.

Die Chancen eines Neubeginns nach 1945, Hahs wurde an seine alte Wirkungsstätte berufen, wurden vertan und mit dem Angriff auf die so genannten „Formalisten“ geriet Erwin Hahs erneut ins Visier politischer Ideologien und musste dem Druck der Parteifunktionäre weichen und sein Lehramt ein zweites Mal aufgeben.

Bis in die 70 er Jahre des letzten Jahrhunderts blieb Erwin Hahs weitgehend unbekannt, zu allen wesentlichen offiziellen Ausstellungen wurde er nicht eingeladen, war er nicht mit seinen Arbeiten vertreten. Eine von Halle ausgehende behutsame Wiederentdeckung und eine liebevolle Pflege seines Werkes unter dem Dach der evangelischen Kirche werden allmählich zusammengeführt und zeigen besonders seit Ende der 80er Jahre stellvertretend für viele andere, welch ein Schatz hier zu heben ist.


30 Jahre nach einer späten Würdigung des Künstlers durch den Verband Bildender Künstler der DDR, Bezirk Berlin, die ihr damaliger Präsident Arno Mohr mit den Worten ankündigte: „Erwin Hahs, Maler, Grafiker und Bühnenbildner, ein Qualitätsbegriff für alle, die sich an ihn erinnern, eine Entdeckung für viele, denen er unbekannt geblieben ist, ein Lebenswerk von einer Frische, die überdauert hat.“, gilt auch heute noch, dass er vielen unbekannt geblieben ist und zu entdecken gilt.

Im Jahr seines 120. Geburtstages wird es im Oktober im KUNSTraum Saarow e.V. eine kleine Ausstellung geben, die sich dem künstlerischen ouevre ebenso widmen wird wie den in unzähligen Tagebüchern von Erwin Hahs festgehaltenen Gedanken und Beobachtungen zur politischen und künstlerischen Praxis eines halben Jahrhunderts deutscher Kunst – und Zeitgeschichte.

   
 

Der KUNSTraum wird
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